Exkursion durch den Klecker Wald

"Monokulturen sind passé"

15.09.2020 17:00 18:30
Treffpunkt ist um 17 Uhr am Parkplatz beim Trimm-Dich-Pfad an der Bendestorfer Straße

„Monokulturen sind passé“


Klimaforum Buchholz: Rund 30 Bürgerinnen und Bürger erlebten informative Exkursion durch den Klecker Wald

Bild der Exkursion

Bezirksförster Torben Homm mit einer Abbildung eines Borkenkäfers

Buchholz (hh). Die Sonne stand strahlend am Himmel, die Temperaturen erreichten sommerliche 29 Grad - beste Bedingungen für eine Exkursion durch den Klecker Wald. Gut 30 Bürgerinnen und Bürger nahmen an dem Rundgang teil, zu dem die Stadt Buchholz im Rahmen des Buchholzer Klimaforums geladen hatte. Im Mittelpunkt der rund zweistündigen Tour stand die Frage: Was passiert in unserem Wald angesichts von Kahlschlägen und Borkenkäferplage? Antworten hatte Bezirksförster Torben Homm. Etwa auf die Frage eines Bürgers nach den natürlichen Feinden des Borkenkäfers. „Kühle Witterung, dass hemmt seine Vermehrung.“ Den hochsommerlichen Temperaturen Mitte September konnte Homm denn auch so gar nichts abgewinnen. „Ich hätte es besser gefunden, es wäre heute kühl und wir stünden hier mit Schal und warmen Jacken und nicht in leichter Sommerbekleidung.“ Es ist schließlich die Hitze, „die für Borkenkäfer beste Bedingungen schafft, sich auszubreiten. Ein Dürrejahr kann eine Fichte durchstehen und sich gegen Borkenkäferbefall erwehren“, erläuterte der Experte, „dann braucht sie zwei Jahre um sich zu erholen.“ Drei heiße Sommer in Folge ließen vielen Bäume aber keine Chance. Der Borkenkäferbefall im Klecker Wald war unter der fachkundigen Expertise Homms für die Teilnehmer schnell ausgemacht: Unweit einer kleinen Lichtung stehen mehrere Fichten mit kahlen Stellen am Stamm, liegt Baumrinde auf dem Waldboden, in der sich kleine weiße Käfermaden winden. „Kommende Woche werden wir diese Bäume fällen“, erklärte Homm. In seinem Revier, das mit mehr als 6000 Hektar zu den größten in ganz Niedersachsen gehört, sind rund 120 Hektar von den Insekten befallen. Rund 60 000 Festmeter Holz mussten deshalb allein 2020 geschlagen werden - „normal sind 25 000“.

Mitten im Klecker Wald finden sich auch zwei prächtige, gut 100 Jahre alte Douglasien. Wie die nordamerikanische Baumart in die Nordheide kam? „Vermutlich hat der Waldbesitzer die Bäume damals hier angebaut“, erklärt Homm und kommt damit zu einer Besonderheit. „Wir befinden uns hier zwar auf städtischem Gebiet, der Wald ist allerdings überwiegend in privater Hand.“ Was nicht nur den Klecker Wald zu einem sehr vielfältigen Forst macht.

Bild zur Exkursion im Klecker Wald

Bezirksförster Torben Homm beeindruckte die Zuhörer mit seinem fundierten Wissen

„Monokulturen sind passé“, erläuterte Homm, „heute wird Mischwald gepflanzt.“ Entscheidend bei der Wiederaufforstung ist die Antwort auf die Frage: Was kann der Standort leisten? „Schließlich sollen die Bäume auch in 70 Jahren noch gesund sein“, sagt Homm. Waldbesitzer haben dabei ein gewichtiges Wort mitzureden. Von ihnen hängt es ab, ob eher die künftige Rendite oder die Ökologie bei der Neuanpflanzung im Mittelpunkt steht. „Die meisten entscheiden sich für eine Mischung aus beidem“, erläutert Homm am Beispiel eines kleinen, knapp ein Hektar großen Grundstücks. Dort gedeihen relativ klimaresistente Douglasien sowie Buchen und Eichen. Eingefasst ist das Areal von Mischgehölzen sowie einem Zaun, um die jungen Bäume vor Verbiss durch Rehe zu schützen.

Dass auch die Stadt mit gutem Beispiel voran gehen kann, zeigte sich zum Abschluss des Rundgangs. Homm machte Station auf einer Parzelle im Klecker Wald nahe des Buchholzer Trimm-Dich-Pfades, die im Rahmen eines Projekts 2017 von Sechstklässlern der Waldschule und Kindern des nahen Waldkindergartens mit Bergahornen, Eichen, Rotbuchen und Hainbuchen bepflanzt worden war. „Damit sind hier die Weichen für die nächste Waldgeneration gestellt“, lobte Homm, „das ist Klimavorsorge die wir für und mit dem Wald leisten können.“ „Im Ergebnis war das eine sehr informative Exkursion, welche die Vielfalt, aber auch die Verletzlichkeit unseres Waldes sehr deutlich gemacht hat“, bilanziert Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse den Waldspaziergang auf seiner Facebook Seite. „Ich persönlich war beeindruckt und werde künftig sicher mit neuem Blickwinkel durch die Wälder laufen.“